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Das hat mir dem Coaching nichts zu tun

Neulich wurde ich echt enttäuscht. Ein Klientin erklärte mir in einer Abschlusssitzung, dass sie in den letzten Monaten gelernt habe, Grenzen zu ziehen, ihre eigenen Bedürfnisse wieder besser wahrzunehmen. Sie sei ins Tun gekommen und habe Entscheidungen getroffen. Sie gehe motiviert aus dem Coaching raus und sie freue sich auf ihre neuen beruflichen Ziele. Mit dem Coaching habe das nichts zu tun.

Höhen und Tiefen im Leben

Sie erklärte mir, dass es in ihrem Leben immer so gewesen sei, dass es schlechte und bessere Phasen gegeben habe. Das Coaching habe einfach in einer sehr schlechten Phase begonnen, so dass es ja nur aufwärts gehen konnte.

Sie räumt zwar ein, dass meine „positive Art“ ihr gut getan habe. Aber sonst hätte das Coaching nicht viel verändert. Außer vielleicht der Tatsache, dass sie sich bewusst gegen die Wiederaufnahme einer Therapie entschieden habe. Aber auch dass sei ja ihre eigenen Entscheidung gewesen – sie habe während unserer Gespräche einfach gemerkt, dass es für sie im Moment wichtiger ist, ihre aktuellen Probleme anzugehen und sich auf ihre berufliche Zukunft zu orientieren, als sich immer wieder mit ihrer Vergangenheit zu beschäftigen.

Soziale Isolation und gesunde Beziehungen

Dass ihre Beziehung zu ihrer Tochter jetzt besser sei, habe auch nichts mit dem Coaching zu tun. Ihre Tochter hatte die Entscheidung in ihre Nähe zu ziehen ja unabhängig davon getroffen. Die Hilfe beim Umzug, trotz körperlicher Einschränkungen. Das Bestärken der Tochter auf ihrem individuellen Weg. Die Freude über deren Kreativität und die vielen schönen Momente, die sie gemeinsam genießen konnte – all das habe ja nichts mit dem Coaching zu tun.

Und doch erinnere ich mich an die anfängliche Erzählung, dass sie in ihrem Leben niemanden habe, dass sie völlig alleine sei. Im Lauf der Sitzungen tauchten neben der Tochter auch noch andere Menschen auf, zu deinen eine sehr stabile, wenngleich auch anfangs kritisch betrachtete Beziehung besteht. Und doch wird die Klientin zunehmend milder im Umgang mit den Eigenarten der Menschen in ihrem Umfeld.

Erinnerung wie alles begann

Und als ich die Klientin fragte, was sie nun an den zwei Vormittagen tun werde, an denen sie in Zukunft nicht mehr zu mir ins Coaching kommt, kam unvermittelt: „Schwimmen gehen!“ Und sie erinnerte sich daran, dass wir darüber schonmal gesprochen hatten – in der ersten Sitzung, als es darum ging herauszufinden, was der Klientin Freude macht und was sie gerne tut. Da kam die Idee von ganz weit her, dass sie mal wieder Schwimmer gehen könne, dass ihr das früher viel Spaß gemacht habe und dass es ihr auch immer leicht viel.

Den zweiten Tag wolle sie nutzen um ihre Bewerbungen vorzubereiten und sich auf die neuen Inhalte vorzubereiten, die ab nächsten Jahr im neuen Job auf sie warten. Das war für mich umso erstaunlicher, weil es zu Beginn des Coachings nicht darum ging, die Klientin wieder in Arbeit zu bringen, sondern um die „Stabilisierung des Lebenssituation“ und „Herstellung der Therapiebereitschaft“ – so der Auftrag des Jobcenters – der Fall braucht Therapie sonst wird nichts draus.

Nichts beigetragen zu haben ist toll!

Wozu ich dieses Beispiel teile? Um zu betonen, wie schön es ist, wenn eine Klientin am Ende eines Coachings davon überzeugt ist, dass sie den Aufbau ihres neuen Selbstbewusstseins und die Entscheidung für eine neue berufliche Herausforderung selbst zu verantworten hat. Kein Coach kann einen Menschen verändern. Veränderung schaffen wir uns nur selbst. Ich kann lediglich dabei unterstützen, manche Dinge, Situationen oder Glaubenssätze aus einer anderen Perspektive zu betrachten und mit meiner Zuversicht ermutigen, kleine Schritte zu tun.

Das Ziel überflüssig zu sein

Wie schon in meinem vorherigen Berufsfeldern (Entwickungszusammenarbeit und Flüchtlingshilfe) geht es auch im Coaching darum, Menschen zu ermutigen, ihren inneren Frieden wieder zu finden, zu ändern was in ihrer Macht liegt, aber auch anzunehmen, was für sie unveränderlich ist. So paradox das ist: mein Ziel ist es, überflüssig zu sein und so wandelt sich die Enttäuschung über die selbstwirksame Entwicklung der im Beispiel beschriebenen Klientin in eine große Zufriedenheit mit meinem neuen Beruf.

Ein Gedanke zu „Das hat mir dem Coaching nichts zu tun“

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